FCKW - die vergessenen Klimakiller
Aus den Augen, aus dem Sinn - seit sie im Montrealer Protokoll verboten wurden, sind die Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) in Vergessenheit geraten. Mit dem stufenweisen Verbot dieser Substanzen schien das Problem Anfang der Neunzigerjahre gelöst zu sein. Dieser Schluss trügt jedoch. Denn in alten Kühlschränken und Gefriertruhen ist nach wie vor eine beträchtliche Menge FCKW enthalten, die ohne fachgerechte Entsorgung in die Atmosphäre gelangen wird. Das ist umso schlimmer, als dass FCKW die Ozonschicht schädigen und den Treibhauseffekt verstärken.
Die in höchstem Masse schädigende Wirkung der Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) hat die internationale Staatengemeinschaft 1987 dazu veranlasst, das Montreal-Protokoll aufzusetzen, mit dem Gebrauch und Produktion der ozonschichtschädigenden Gase stufenweise verboten wird. Das Protokoll trat 1989 in Kraft und wurde seitdem mehrfach erweitert. Es gilt als eines der erfolgreichsten internationalen Umweltabkommen - Kofi Annan bezeichnete es 2003 sogar als das bis dahin «wahrscheinlich einzige erfolgreiche internationale Abkommen überhaupt».
Aus heutiger Sicht weist das Montreal-Protokoll indes einen schwerwiegenden Mangel auf. So regelt es seit Mitte der Neunzigerjahre zwar Produktion und Verbrauch von FCKW. Eine umweltgerechte Entsorgung alter Klima-, Kühl- und Gefriergeräte sowie anderer FCKW-haltiger Abfälle aber, die klimaschädigende FCKW-Emissionen verhindert, wird vom Montreal-Protokoll nicht geregelt. Das Kyoto-Protokoll klammert FCKW sogar ganz aus und beschränkt sich auf die Treibhausgase CO2, CH4, N2O, HFC, PFC und SF6. Dies hat die FCKW zum «vergessenen Klimakiller» werden lassen.
Das Recycling FCKW-haltiger Abfälle und insbesondere die umweltverträgliche Zerstörung der FCKW korrespondieren jedoch vollumfänglich mit den prinzipiellen Zielen der beiden Vertragswerke zum Schutz des Klimas. Denn FCKW sind besonders gefährliche Treibhausgase. So entspricht beispielsweise eine Tonne FCKW-Gas R11 aus der Isolationsschicht von Kühlschränken der Treibhauswirkung von 4600 Tonnen CO2. Noch belastender ist das FCKW-Gas R12 aus dem Kühlkreislauf: Eine Tonne hat den Treibhauseffekt (Global Warming Potential, GWP) von 10 600 Tonnen CO2.
Pro Kühlschrank werden im Schnitt rund 440 Gramm FCKW freigesetzt. Das scheint eine kleine Menge zu sein, richtet aber wegen des enormen Treibhauspotentials des FCKW enorme Schäden an. Mit jedem Kühlschrank, der fachgerecht entsorgt wird, können Treibhausgasemissionen im Gegenwert von 1 bis 2 Tonnen CO2 vermieden werden.
Zum Vergleich: Durch die Verbrennung von Treibstoffen im Pendler-, Einkaufs- und Freizeitverkehr setzt heute jede Person in der Schweiz jährlich gegen 2 Tonnen CO2 frei. Gerechnet auf Basis des Schweizer Flottenziels für 2015 (130 g CO2 pro Autokilometer), kann somit mit nur einer Recyclinganlage die Treibhauswirkung von rund 4,62 Mrd. Autokilometern p. a. vermieden werden.
Angesichts ihres enormen GWP spielt die qualitativ hochwertige Zerstörung von FCKW eine nicht zu vernachlässigende Rolle im globalen Klimaschutz. In den nächsten Jahrzehnten steht in Schwellenländern eine massiv steigende Zahl von Kühlgeräten zur Entsorgung an. Es muss deshalb ein vordringliches Anliegen des Klimaschutzes sein, FCKW-haltige Geräte fach- und umweltgerecht zu verwerten und FCKW zurück zu gewinnen und zu zerstören.
FCKW gelangen bei verschiedenen Prozessen in die Stratosphäre und reagieren durch katalytische Effekte mit der Ozonschicht. Dadurch wird deren Schutzfunktion zerstört: Die gefährliche UV-Strahlung, insbesondere UV-B, dringt vermehrt bis zur Erdoberfläche vor. Nimmt auf der Erde die UV-B-Exposition zu, muss mit einem deutlichen Anstieg Hautkrebsfällen und schweren Augenerkrankungen zu rechnen sein. Auch das Immunsystem wird gestört. Bei Pflanzen wird die Photosynthese im Blattgrün beeinträchtigt - mit der Folge starker Ernterückgänge. In den Meeren geht die Entstehung der Kleinstlebewesen zurück - mit spürbaren Folgen für die gesamte Nahrungskette. Zusätzlich absorbieren FCKW Licht im Infrarotbereich und tragen damit zur Klimaerwärmung bei.

